{"id":2173,"date":"2019-12-03T20:01:26","date_gmt":"2019-12-03T20:01:26","guid":{"rendered":"https:\/\/dr-rad.at\/tirol\/?p=2173"},"modified":"2019-12-16T21:52:59","modified_gmt":"2019-12-16T21:52:59","slug":"fahrradkauf-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dr-rad.at\/tirol\/fahrradkauf-2020\/","title":{"rendered":"Fahrradkauf 2.0"},"content":{"rendered":"<p>Eine Fahrrad Beschaffungsromanze. 2020.<\/p>\n<p>F: Da bin ich nun. So als halbfertiges Etwas, zwischen etlichen Kollegen derselben Gr\u00f6\u00dfe. So h\u00e4nge ich also herum und warte auf meinen n\u00e4chsten Einsatz. Zumindest bin ich an dem Ort, der meinem Schriftzug am Unterrohr entspricht, jedenfalls sprechen hier alle dieselbe Sprache und sie passt zu meinem Namen.\u00a0Den Ursprungsort meiner Entstehung habe ich l\u00e4ngt verlassen. Eine lange Reise im Schiffscontainer hat mich hierhergebracht, wo ich nun auf weitere Ereignisse warte.\u00a0Ich sehe mich nun im Irgendwo. Der Weg von dem ich nie abkomme, solange mich niemand will.<\/p>\n<p>B: Liebe angelt man sich heutzutage auch im Internet, warum dann nicht meine neue Errungenschaft. Schlie\u00dflich habe ich lange genug auf dich gespart. Unter verdammt vielen habe ich dich ausgesucht und nun endlich gefunden. Winkel, Abmessungen und optische Gesichtspunkte standen dir am besten. Ein Gedicht!<\/p>\n<p>Also stattete ich einen Besuch bei meinem H\u00e4ndler um die Ecke ab, damit er mich zu dir bringt, oder besser gesagt dich zu mir. Eindeutig habe ich mich f\u00fcr deine Figur und Aussehen entschieden. Deine Abmessungen und Winkel versprechen Fahrspa\u00df und Sicherheit. Du erf\u00fcllst aktuelle Ans\u00e4tze wie l\u00e4nger, flacher, tiefer, bist aber kein Hardtail, kein Racefully und auch kein Enduro.<\/p>\n<p>F: Endlich scheint sich etwas zu tun. Nun ja es ist Herbst und sp\u00e4testens jetzt kommen die Biker mit Hang zum Neuen und dickem Portemonnaie drauf sich f\u00fcr die n\u00e4chste Saison mit Material einzudecken. Ich bin doch das allerneueste Modell. In Taiwan gebacken, in Form geschliffen und ohne \u00dcbergewicht auch extrem formidable. Man gab mir eine eloquente Bezeichnung und ein modernes Aussehen. Meine Farbe ist auch nicht ohne, jedenfalls die \u00fcber dem Carbon. Aber noch bin ich nackt. So ohne Best\u00fcckung und Anbauteile bin ich nur ein teures Gest\u00e4nge. Zum Ersten fehlt mir eine Gabel, mit der ich mich als Rad zumindest vollst\u00e4ndig anerkannt f\u00fchle. Ein D\u00e4mpfer w\u00e4re auch nicht ohne, denn mein Hinterteil dr\u00fcckt mir ohne einen solchen ganz sch\u00f6n ins Kreuz, \u00e4h Sitzrohr.<\/p>\n<p>B: Ich will ein 2.0 Bike.12 G\u00e4nge die nur mit rauf oder runter bedient werden m\u00fcssen. Leichter oder schwerer einfach vom Handgelenk aus und nur einfach auch vorne. Kein Nachdenken, kein umdenken und kein Vorausdenken. Nur mehr: mehr oder weniger Entfaltung, je nach Notwendigkeit abh\u00e4ngig von Steigungsprozenten.<br \/>\nSattel aus dem Weg, damit der Weg durchs Gestr\u00fcpp sicherer und fahrbarer wird. Durch das Einfahren der Sattelst\u00fctze, wie bei einer Antenne kann das Gef\u00e4hrt in Null-komma-Nix zu einem Abfahrtsgescho\u00df verwandelt werden. Nicht mehr absteigen m\u00fcssen, pausenlos hinab ins Atemlos. Neunundzwanzig Zoll f\u00fcr mehr Drive und im Rad sitzen, anstatt draufsitzen. Das Bike im Zeitalter 2.0 macht das Fahren um einiges leichter und flotter. 1 &#8211; 12 &#8211; 29 &#8211; 500 &#8211; top drop lautet der Code den mein Neues bezeichnet. Ein Kettenblatt, 12 G\u00e4nge bei 500% Bandbreite, 29 Zoll Laufr\u00e4der und versenkbare Sattelst\u00fctze.<\/p>\n<p>F: Nach einer langen Reise bin ich scheinbar angekommen. Mein Herrchen hat mich fahrbereit zusammengestellt, die D\u00e4mpfer und Reifen aufgepumpt, Lenker und Sattel ergonomisch justiert und Pedale montiert. F\u00fcr den ersten Einsatz vorbereitet, stehe ich nun da und warte auf selbigen. Ich warte ungew\u00f6hnlich lange, zumindest bilde ich mir das ein. Offensichtlich gibt es Probleme mit Zeitressourcen oder dem Wetter, denn seit gut einer Woche stehe ich mir unbewegt im Keller die Reifen platt. Ich bekam zwar regelm\u00e4\u00dfigen Besuch, doch mehr als ein Draufsetzen und Einfedern war nicht drin. Kurz bevor ich gef\u00fchlt in den Winterschlaf gefallen w\u00e4re tut sich was. Mein Eigner hat das Raddress an \u2013 er wird doch nicht etwa? Aber ja, die erste Ausfahrt steht an, juhu!<\/p>\n<p>B: Jungfernfahrt. Endlich stimmt das Wetter. Endlich hat das nur anschauen und sich vorstellen ein Ende. Die erste Ausfahrt steht an. Schon beim Wegfahren ist der Quantensprung an Effizienz und Vortrieb zu sp\u00fcren. Waren es beim letzten Mal schwindelerregende 26\u201c Laufr\u00e4der, so d\u00fcrfen diesmal 29\u201c Walzen bolzen. Bei selbem Weg rollen die gro\u00dfen Reifen leichter \u00fcber Unebenheiten. Pro Umdrehung entfalten sich die Gro\u00dfen gr\u00f6\u00dfer. Wie ein Traktor schraube ich mich die Serpentinen hoch. Die D\u00e4mpfer gesperrt, das Rad also straff und immer noch 3 Kr\u00e4nze in Reserve, geht es sehr direkt und komfortabel nach oben. Sehr steile Passagen kann ich im leichtesten Gang problemlos bew\u00e4ltigen. Stellen die mich bislang zum Absteigen gezwungen haben, stellen nun keine Fu\u00df Aufsetzen Notwendigkeit dar.<br \/>\nBergauf ist diese Jungfernfahrt vollends gegl\u00fcckt und l\u00f6st den Zweifel in Zufriedenheit auf. Die Theorie und nackten Daten fanden erfolgreich den Einzug in die Praxis.<br \/>\nBleibt noch die Abfahrt. D\u00e4mpfer \u00f6ffnen, Sattel rein, Ellbogen raus. Und was war das? Das Rad zog wie ein wildgewordenes Tier. Es trieb mich f\u00f6rmlich an Tempo zu machen. Bis auf Spitzkehren in die ich durch den verl\u00e4ngerten Radstand etwas z\u00e4h und tr\u00e4ge einf\u00e4delte, rollte der Panzer sicher und vertrauensvoll in Richtung Schwerkraft. Welch ein Erlebnis, was f\u00fcr eine Euphorie!<\/p>\n<p>Fazit:<br \/>\nAls die Emotionen kamen<\/p>\n<p>Vom Rei\u00dfbrett \u00fcber die pers\u00f6nliche Auswahl zur Vorliebe. Daten und Fakten bleiben die gro\u00dfen Unbekannten. Solange das Gef\u00e4hrt nicht bewegt wird, ist es nur ein relativ teures aber gro\u00dfes Spielzeug. Es beginnt sich erst auszuzahlen, wenn es im Einsatz ist. Dann n\u00e4mlich vereinigen sich die zwei Parteien, also Fahrer und Rad zu einer Einheit. In dieser Eintracht geht es rasant \u00fcber Wurzeln, elegant durch Kurven und potent \u00fcber H\u00f6henmeter.<br \/>\nDas urspr\u00fcnglich abstrakte Zahlenspiel bew\u00e4hrt sich erst in der Praxis, oder auch nicht. Wenn deine Erwartungen voll erf\u00fcllt werden hast du gewonnen. Diese Gef\u00fchle, dieses Lebenselixier, diese Hormonaussch\u00fcttung, das sind die punktuellen H\u00f6hephasen, die nur der Sport in dieser Art liefern kann. Zumindest dient das Sportger\u00e4t als Schl\u00fcssel zum Gl\u00fcck. Steht es, bleibt es nur ein sperriges St\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Fahrrad Beschaffungsromanze. 2020. F: Da bin ich nun. So als halbfertiges Etwas, zwischen etlichen Kollegen derselben Gr\u00f6\u00dfe. So h\u00e4nge ich also herum und warte auf meinen n\u00e4chsten Einsatz. 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